Viel Zeit vergangen,
Viel ist passiert. Und auch wieder nicht.
Viel Schmerz. Bin noch immer sehr krank.
Kann nur liegen.
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal die Sonne, den Wind auf meiner Haut gespürt habe.
Mir fehlt es so, im Wald zu sein, spazieren zu gehen, am See zu sein, mit Freunden essen zu gehen.
Ich bin noch nicht einmal in der Lage, mir ein Essen selbst zu kochen.
Kann nicht lange genug dafür stehen,
kann ohne Stütze überhaupt nicht stehen.
Mir bleibt nur der Schmerz in all seinen Varianten -
und das Bett, Bücher und Filme, Sprachen lernen.
Das Telefon.
Brauche für fast alles Hilfe.
Das alles ist ein Grund, der Grund mich hilflos zu fühlen.
Traurig, wütend, verzweifelt zu sein.
Das bin ich.
Nicht alles auf einmal, auch nicht alles gleich oft.
Irgendwie trägt mich etwas, das mir hilft, nicht zu versinken.
Es irgendwie zu ertragen.
Doch es gibt in meinem Kaleidoskop der Gefühle
eine Mischung, die ich kaum ertragen kann:
Angst-Wut-Ohnmacht.
Angst, weil ich nicht weiß, wie schlimm es wird.
Wut, weil ich nicht begreifen kann, wie so viele meiner Mitmenschen so blind sein können.
Ohnmacht, weil ich nicht weiß, was ich tun kann, um zu helfen es abzuwenden.
Hilflos.
Zum zweiten Mal in hundert Jahren faschistische Kräfte an die Macht kommen lassen?
Davor soziale Gerechtigkeit, den ausgleichenden Gemeinschaftsgedanken vollends aufgeben?
Und das alles, weil so viele Menschen eine sie überfordernde, unheilvolle Mischung in ihrem Kaleidoskop der Gefühle haben?
Ignoranz - Neid - Enttäuschung - Hass - Selbstwertlosigkeit - Gier - Arroganz - Halbwissen -…..?
Herz und Verstand ausgeschaltet?
Nichts das trägt?
Nichts das wach ist?
Für das worst-case Szenario habe ich keinen Plan.
Hilflos.
Das ist das erste Mal, dass ich hier ein Statement abgebe, ein sog. "politisches".
Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr vertretbar ist zu schweigen, oder?
